In dieser Episode des Studiosofa Podcasts spricht Felix Gerlach offen über einen Punkt, den viele Musiker irgendwann erreichen: den Moment, in dem äußerer Erfolg nicht mehr automatisch mit innerer Zufriedenheit einhergeht. Nach Jahren als gefragter Live-Gitarrist – mit bis zu 150–200 Shows pro Jahr, großen Tourneen, TV-Produktionen und festen Engagements – merkte Felix, dass ihn das permanente Funktionieren auf der Bühne kreativ zunehmend ausbremste.
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Ein zentrales Thema der Episode ist das Neuerfinden als berufliche Notwendigkeit. Felix beschreibt, wie wichtig es ist, eigene Träume regelmäßig zu hinterfragen. Ziele, die mit Anfang 20 antreiben, können mit 30 oder 40 ihre Gültigkeit verlieren – und das ist kein Scheitern, sondern Teil einer gesunden Entwicklung. Entscheidend sei, diesen Wandel nicht zu verdrängen, sondern bewusst anzunehmen. Corona wurde für ihn dabei zur unfreiwilligen, aber letztlich hilfreichen Zäsur: Statt Live-Alltag plötzlich 100 % Studioarbeit. Zeit zum Lernen, Ausprobieren und Vertiefen – ohne sofort performen zu müssen.
Ein wiederkehrendes Motiv ist das Impostor-Syndrom. Felix schildert, wie schwer es ihm fiel, sich selbst als Produzent oder Mixing Engineer zu bezeichnen, obwohl er faktisch genau diese Arbeit bereits leistete. Sein Learning: Es gibt keinen offiziellen Stempel, kein Zertifikat, das jemanden „zum Produzenten macht“. Entscheidend ist, ob Künstler mit dem Ergebnis arbeiten wollen. Vertrauen entsteht durch Ergebnisse – nicht durch Titel.
Für die berufliche Weiterentwicklung hebt Felix die Bedeutung von Netzwerken hervor, allerdings ohne Networking als Selbstzweck. Seine Studiojobs entstanden organisch aus jahrelanger Zusammenarbeit im Live-Bereich. Persönliche Verlässlichkeit, Vorbereitung und ein funktionierendes Setup seien oft genauso wichtig wie musikalische Fähigkeiten. Wer live professionell arbeitet, bringt viele Eigenschaften mit, die auch im Studio zählen: Struktur, Entscheidungsfreude, Ruhe unter Druck und ein Verständnis für den Gesamtkontext eines Songs.
Inhaltlich liefert die Episode viele konkrete Tipps zur Musikproduktion. Ein zentrales Prinzip lautet: Reduktion statt Perfektion. Wenige, gut klingende Spuren seien oft wirkungsvoller als komplexe Arrangements mit dutzenden Layern. Wenn eine Gitarre wirklich trägt, darf sie laut sein – gerade weil sie Raum hat. Diese Denkweise sei für Felix ein Zeichen von „Erwachsenwerden im Studio“.
Auch der Perspektivwechsel zwischen Live und Studio spielt eine große Rolle. Studioarbeit schult das Verständnis für Arrangements, Dynamik und Frequenzverteilung, was wiederum zu banddienlicherem Spiel auf der Bühne führt. Umgekehrt hilft Live-Erfahrung dabei, Energie, Groove und emotionale Wirkung besser ins Studio zu übertragen. Nicht alles, was auf Platte funktioniert, funktioniert automatisch live – und umgekehrt. Tempo, Dynamik und Bewegung entstehen oft durch scheinbar kleine Entscheidungen wie zusätzliche rhythmische Elemente oder bewusst reduzierte Parts.
Technisch plädiert Felix für klare Entscheidungen statt endloser Optionen. Er arbeitet bewusst mit echten Amps, wenigen, vertrauten Sounds und reproduzierbaren Setups. Wichtig sei nicht das perfekte Mikrofon oder der exakte Frequenzverlauf, sondern das Zusammenspiel im Songkontext. Wenn Arrangement, Performance und Energie stimmen, rückt Technik in den Hintergrund.
Am Ende steht ein übergeordnetes Fazit: Karriere ist kein gerader Weg. Sich neu auszurichten, Schwerpunkte zu verschieben oder Rollen zu wechseln ist kein Rückschritt, sondern oft die Voraussetzung dafür, langfristig kreativ, gesund und motiviert zu bleiben. Diese Episode liefert keine schnellen Erfolgsrezepte – aber viele ehrliche Einsichten darüber, wie sich musikalische Identität entwickeln darf, wenn man ihr den Raum dafür gibt.

