Das dynamische Mikrofon mit zwei Karrieren
Kaum ein dynamisches Mikrofon hat einen vergleichbaren Lebenslauf wie das Shure SM7. Ursprünglich konzipierte man es für Broadcast und Sprache. Doch sein druckvoller Klang ebnete ihm den Weg in die Musikproduktion, denn Produzenten und Engineers entdeckten schnell seine Qualitäten für Gesangsaufnahmen. Somit schrieb das SM7 gleich zweimal Geschichte: zuerst im Tonstudio, später vor der Kamera.
Steckbrief
- Hersteller: Shure
- Modell: SM7
- Markteinführung: 1973
- Mikrofontyp: Dynamisches Tauchspulenmikrofon
- Richtcharakteristik: Niere
- Empfindlichkeit: 1,1 mV/Pa
- Eigenrauschen: Nicht spezifiziert
- Grenzschalldruckpegel: Nicht spezifiziert
- Ausgangsimpedanz: 150 ΩGewicht: 764 g
- Klangcharakter: Warm, voll und natürlich; präsente Mitten, kontrollierte Höhen, geringe Zischlaute, ausgeprägter Nahbesprechungseffekt
- Gebrauchtpreis: SM7B ca. 250,– bis 350,– Euro; frühe originale SM7 je nach Zustand und Version deutlich variabler
- Neupreis SM7B: ca. 400,– Euro
Von Thriller bis Metal
Seinen bis heute bekanntesten Auftritt hatte das Mikrofon auf Michael Jacksons „Thriller“ – und trug damit seinen Teil zur Popgeschichte bei. Später etablierte es sich als Standard für druckvolle Rock- und Metal-Vocals. Deshalb ist es unter anderem auf Produktionen von Metallica, Bring Me The Horizon und Periphery zu hören.
Jahrzehnte nach seiner Einführung begann sodann eine zweite Karriere: Podcasts, Streams und Videoproduktionen machten das charakteristische schwarze Mikrofon zu einem der bekanntesten Studiomikrofone überhaupt. Bemerkenswert dabei: Das heutige SM7B ist dem ursprünglichen Konzept technisch erstaunlich treu geblieben. Wer heute ein SM7 kauft, erhält also im Kern dieselbe Maschine, die einst den Thriller-Sound trug.
Marc Bohn und Stephan Lembke nähern sich dem SM7 aus mehreren Richtungen. Zunächst beleuchten sie die technischen Besonderheiten, denn die Innenwiderstände und die Kapselkonstruktion erklären den charakteristischen, druckvollen Klangeindruck. Anschließend widmen sie sich Optik und Design sowie den klanglichen Eigenheiten im direkten Vergleich mit modernen Alternativen.
Ergänzt wird der Beitrag durch Stimmen aus der Praxis. So zitieren wir Michael Thumm (Bauer Studios), Chris Kling (Klangkantine Studios), Klaus Baetz (Sounddesigner und Autor) sowie Bruce Swedien. Gerade Swedien, der als Engineer und Produzent eng mit Quincy Jones und Michael Jackson arbeitete, kann aus erster Hand erzählen, wie das SM7 zum Einsatz kam.
Das SM7 kostet einen Bruchteil klassischer Großmembran-Kondensatoren. Dennoch liefert es in vielen Situationen die bessere Wahl, denn sein Klang bleibt auch bei lauteren Sängern stabil und komprimierfreundlich. Der Beitrag zeigt deshalb nicht nur Historie, sondern hilft bei einer konkreten Frage: Passt dieses Mikrofon zu meiner Stimme, meinem Raum und meinem Genre? Wer diese Frage fundiert beantworten kann, spart teure Fehlkäufe.
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