Im Studiosofa zu Gast: Lukas Rimbach von GIK Acoustics. Gemeinsam sprechen wir darüber, wie sich bestehende Räume praxisnah und modular akustisch optimieren lassen – ohne Neubau, aber mit Messungen, Simulation und klaren Entscheidungen.
Im Fokus stehen REW-Messungen, Raumsimulation, Bassfallen und Tieftonwiedergabe, der Weg zu einem möglichst linearen Frequenzgang sowie die Rolle von Absorbern, Diffusoren, Materialien und Oberflächen. Außerdem geht es um Gesundheitsaspekte von Mineralwolle und das Zusammenspiel aus passiver Akustik und automatischer Raumkorrektur (DSP).
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Webinar – Raumakustik optimieren
Ergänzend zur Podcast-Folge gibt es ein kostenloses Webinar zum Thema modulare Raumakustik-Optimierung: Am 15. April von 19:30–21:00 Uhr zeigen wir gemeinsam mit Paul Linke anhand eines realen Fallbeispiels (Prinz Studios), wie sich bestehende Home-, Projekt- und Studios praxisnah akustisch optimieren lassen – inklusive erster Messungen, Entscheidungen und Maßnahmen. Im Anschluss gibt es eine offene Q&A-Session für eure Fragen. Partner des Webinars ist GIK Acoustics. Anmeldung kostenlos, Teilnahme online.
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Warum Raumakustik im Studio wichtiger ist als Plug-ins
In Home- und Projektstudios entscheidet nicht die Qualität einzelner Plug-ins über gute Mischungen, sondern der Raum selbst. Ungleichmäßige Basswiedergabe, diffuse Mitten oder aggressive Höhen führen dazu, dass Entscheidungen beim Mixing und Mastering nicht zuverlässig übersetzen. Genau hier setzt das Konzept der modularen Raumakustik an: Statt baulicher Eingriffe geht es um flexible, anpassbare Lösungen, die sich realistisch in bestehende Räume integrieren lassen.
In der aktuellen Studiosofa-Podcast-Episode sprechen wir mit Lukas Rimbach von GIK Acoustics über typische Akustikprobleme, sinnvolle Messstrategien und den richtigen Umgang mit DSP-Systemen.
Woran man Akustikprobleme im Raum wirklich erkennt
Der Einstieg ins Thema ist oft einfacher als gedacht. Viele Produzierende merken intuitiv, dass etwas nicht stimmt. Entweder bleibt das Gefühl, dass der Raum „eigentlich okay“ klingt, aber noch Luft nach oben hat – oder die Probleme sind sofort offensichtlich. Dröhnender oder wummernder Bass, fehlende Tiefe, starkes Hallen oder scharf klingende Lautsprecher sind klassische Warnsignale. Meistens hört man es, lange bevor man misst.
Gerade im Bassbereich reagieren kleine Räume besonders empfindlich. Tieffrequente Raummoden werden stark angeregt und führen zu Überhöhungen oder Auslöschungen, während frühe Reflexionen an Wänden, Decke oder Möbeln die Ortung und Klarheit in den Mitten und Höhen beeinträchtigen. Das Ergebnis ist eine Abhörsituation, die im eigenen Raum funktioniert, außerhalb aber völlig anders wirkt.
Modulare Raumakustik: Realistische Lösungen statt Idealwerte
Ein zentraler Punkt im Gespräch ist der Umgang mit Erwartungen. Pauschale Zielwerte für Nachhallzeiten oder perfekte Frequenzgänge führen in kleinen Räumen oft in die Irre. Entscheidend ist nicht ein idealisierter Messwert, sondern ein gleichmäßiges, kontrolliertes Verhalten des Raums über den gesamten Frequenzbereich.
Modulare Akustiklösungen bieten hier einen klaren Vorteil. Freistehende Bassfallen, mobile Absorber oder kombinierte Module lassen sich gezielt dort einsetzen, wo sie akustisch sinnvoll sind, ohne den Raum dauerhaft zu verändern. Gerade Luftabstand zur Wand kann die Wirksamkeit im Bassbereich erhöhen – ein wichtiger Faktor in beengten Studiosituationen.
Messen mit REW: Warum Ausklingzeiten wichtiger sind als der Frequenzgang
Messsoftware wie Room EQ Wizard ist heute frei verfügbar und extrem leistungsfähig, wirkt auf viele aber zunächst überfordernd. Ein häufiger Fehler ist die ausschließliche Fokussierung auf den Frequenzgang. In der Praxis sind jedoch die Ausklingzeiten des Raums oft der entscheidendere Faktor.
Wenn ein Raum zeitlich gleichmäßig ausklingt, lässt sich auch der Frequenzgang deutlich besser kontrollieren. Umgekehrt kann ein scheinbar glatter Frequenzgang bei unausgeglichenen Nachhallzeiten zu trügerischer Sicherheit führen. Ziel ist kein perfekter Strich, sondern ein homogener, kontrollierter Ausklang – angepasst an die Größe und Nutzung des Raums.
DSP und Raumkorrektur: Ergänzung statt Ersatz
Ein häufig missverstandenes Thema ist der Einsatz von DSP-Systemen. DSP-basierte Raumkorrektur ist in erster Linie eine Lautsprecherkorrektur, die die Abhöre an den Raum anpasst. Das ist sinnvoll und wurde auch früher schon mit analogen Equalizern umgesetzt. Was DSP jedoch nicht leisten kann, ist die Korrektur von Nachhallzeiten und Reflexionen.
Physikalische Akustikmaßnahmen sind immer die Basis. DSP kann anschließend sinnvoll eingesetzt werden, um kleinere Bassüberhöhungen zu glätten oder die letzte Feinabstimmung vorzunehmen. Als Ersatz für Akustik funktioniert DSP nicht – insbesondere bei Auslöschungen kann es sogar kontraproduktiv sein, wenn Systeme versuchen, fehlende Frequenzen durch Boosting zu kompensieren.
Ein pragmatischer Ansatz für Home- und Projektstudios
Modulare Raumakustik zu optimieren bedeutet, realistisch zu bleiben. Platz, Budget und Nutzung setzen klare Grenzen. Nicht jede Mode lässt sich vollständig akustisch beheben, und nicht jeder Raum kann perfekt werden. Entscheidend ist, die Abhörposition so zu optimieren, dass dort verlässliche Entscheidungen möglich sind.
Genau diesen Ansatz vertiefen wir auch im kostenlosen Webinar zur modularen Raumakustik-Optimierung, in dem ein reales Studio-Fallbeispiel anhand von Messungen, Maßnahmen und Entscheidungen transparent analysiert wird. Denn am Ende geht es nicht um theoretische Idealwerte, sondern um Räume, in denen Musik sicher beurteilt und kreativ gestaltet werden kann.

