Moses Schneider: Wurst, SNAREO, DROOM und legendäre Studiomikrofone

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Moses Schneider hat mit seinen ungewöhnlichen Mikrofonierungstechniken die Recording-Szene geprägt. Im Interview zum 20-jährigen Jubiläum des Sound&Recording-Magazins spricht der Produzent über Wurst, SNAREO und DROOM, seine Lieblingsmikrofone und darüber, warum Experimentierfreude oft wichtiger ist als teures Equipment.

Wer sich mit den Mikrofonierungstechniken von Moses Schneider beschäftigt, stößt unweigerlich auf drei Begriffe: Wurst, SNAREO und DROOM. Mit seinen kreativen Ansätzen zur Schlagzeugaufnahme hat der Produzent zahlreiche Recording Engineers inspiriert. Auch seine Arbeit mit Bands wie den Beatsteaks hat ihm in der Studioszene einen besonderen Ruf eingebracht.

Doch welche Rolle spielen Mikrofone für Moses Schneider wirklich? Welche Studioklassiker haben ihn über Jahrzehnte begleitet? Und wie entstehen eigentlich neue Mikrofonierungstechniken?

Darüber sprechen wir in dieser Episode unseres Sound&Recording-Podcasts, die begleitend zur Jubiläumsausgabe 20 Jahre Sound&Recording – 20 legendäre Studiomikrofone entstanden ist.

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Shure SM57: Warum Moses Schneider auf den Klassiker schwört

Wenn es nach Moses Schneider geht, darf ein Mikrofon in keiner Liste legendärer Studioklassiker fehlen: das Shure SM57.

Das dynamische Mikrofon begleitet ihn seit seinen ersten Studiojahren Mitte der 1980er. Besonders an der Snare schätzt er dessen unverwechselbaren Charakter. Zwar probiert Moses gerne andere Mikrofone aus, doch häufig kehrt er zum SM57 zurück.

„Es hat einen sehr eigenen Charakter“, erklärt Moses. Wenn ihm jemand ein anderes Snare-Mikrofon empfiehlt, probiert er es durchaus aus. Doch oft vermisst er anschließend genau die klanglichen Eigenschaften, die das SM57 für ihn so besonders machen.

Auch bei seiner berühmten Wurst-Mikrofonierung ist das SM57 sein bevorzugtes Werkzeug. Andere Mikrofone können ebenfalls funktionieren, doch der charakteristische, stark bearbeitete Sound der Wurst kommt für ihn mit dem Shure besonders gut zur Geltung.

Moses Schneider und seine Mikrofonierungstechniken: Wurst, SNAREO und DROOM

Die Mikrofonierungstechniken von Moses Schneider zeigen, dass sich mit ungewöhnlichen Positionierungen völlig neue Klangmöglichkeiten erschließen lassen.

Im Interview erklärt er drei seiner bekanntesten Ansätze zur Schlagzeugaufnahme und beschreibt, wie sie sich in unterschiedlichen musikalischen Situationen einsetzen lassen.

Wurst-Mikrofonierung: Charakter und Druck für die Drums

Die Wurst gehört zu den bekanntesten Recording-Techniken von Moses Schneider. Ein zusätzliches Mikrofon innerhalb des Drumsets liefert ein Signal, das sich kräftig komprimieren und als charaktervolle Ergänzung zum eigentlichen Schlagzeugsound verwenden lässt.

Für Moses steht dabei nicht unbedingt das verwendete Mikrofonmodell im Vordergrund. Er hat bereits unterschiedliche Mikrofontypen ausprobiert, darunter Bändchen- und Kugelmikrofone.

Sein Favorit bleibt allerdings das Shure SM57. Für ihn bringt es den gewünschten Charakter besonders gut zur Geltung.

SNAREO: Zwei Kugelmikrofone unter der Snare

Bei SNAREO verfolgt Moses einen ungewöhnlichen Ansatz: Statt das Schlagzeug ausschließlich von oben abzunehmen, platziert er zwei Kugelmikrofone unterhalb der Snare.

Das Ergebnis ist ein besonders trockenes Stereobild des Drumsets. Während klassische Overhead-Mikrofone häufig einen Meter oder mehr von der Snare entfernt sind, sitzen die SNAREO-Mikrofone nur ungefähr 20 Zentimeter darunter.

Dadurch verändert sich das Verhältnis zwischen Direktschall und Raumanteil erheblich. Gleichzeitig liefert die Bassdrum einen kräftigen Tieftonanteil.

Besonders für Beat-orientierte Produktionen eröffnet diese Mikrofonierung interessante Möglichkeiten.

Für den Aufbau verwendet Moses inzwischen kompakte Mikrofone von Neumann, die sich mit Schwanenhals-Halterungen direkt an der Snare befestigen lassen. Das erspart aufwendige Mikrofonständer-Konstruktionen und macht den Aufbau deutlich unkomplizierter.

DROOM: Großer Drumsound ohne störende Laufzeiten

Die DROOM-Mikrofonierung von Moses Schneider beschäftigt sich mit einem Problem, das viele Recording Engineers kennen: Wie lässt sich der Raumklang eines Schlagzeugs möglichst laut zumischen, ohne dass die Drums an Direktheit verlieren?

Klassische Raummikrofone stehen häufig mehrere Meter vom Drumset entfernt. Dadurch entstehen Laufzeitunterschiede zwischen den Close-Mikrofonen und dem Raumsignal, die sich bei starker Zumischung als störende Flams bemerkbar machen können.

Moses löst das Problem durch eine ungewöhnliche Positionierung: Das Mikrofon steht unmittelbar vor dem Schlagzeug, ungefähr auf Höhe der Becken, zeigt jedoch vom Drumset weg auf die gegenüberliegende Seite des Raumes.

So entsteht ein Raumsignal, das sich stark komprimieren und laut zumischen lässt, ohne die Direktheit der Schlagzeugaufnahme im gleichen Maße zu beeinträchtigen wie ein weit entferntes Raummikrofon.

Sennheiser MD441: Das ideale Mikrofon für DROOM?

Für seine DROOM-Mikrofonierung verwendet Moses bevorzugt das Sennheiser MD441.

Interessanterweise war er lange Zeit kein besonderer Fan dieses Mikrofons. Als er es erstmals an einer Snare ausprobierte, überzeugte es ihn nicht. Sein bevorzugtes SM57 funktionierte dort für seinen Geschmack besser.

Erst mit der DROOM-Technik entdeckte Moses das MD441 neu.

Die ausgeprägte Richtwirkung des dynamischen Mikrofons spielt dabei eine entscheidende Rolle. Durch die Ausrichtung vom Drumset weg lässt sich das direkte Schlagzeugsignal reduzieren, während der Raumklang eingefangen wird.

Für Moses ist das MD441 inzwischen ein hervorragendes Werkzeug für diese Anwendung. Auch für Bläser hält er es für sehr gut geeignet.

Seine Erfahrung zeigt, wie sehr die Beurteilung eines Mikrofons von dessen Einsatzgebiet abhängt: Ein Modell, das an einer Schallquelle nicht überzeugt, kann bei einer anderen Mikrofonierung genau die richtige Wahl sein.

Neumann M49: Moses Schneiders erstes wirklich teures Mikrofon

Neben seinen ungewöhnlichen Recording-Techniken hat Moses auch eine besondere Beziehung zu einigen klassischen Studiomikrofonen.

Eines davon ist das Neumann M49.

Das historische Röhrenmikrofon war sein erstes wirklich teures Mikrofon. Bis heute befindet es sich in seinem Besitz und gehört weiterhin zu seinen absoluten Favoriten.

Inzwischen hat Moses das betagte Mikrofon überholen lassen. Dabei geht er pragmatisch mit der Frage um, ob sich der Klang durch die Wartung möglicherweise verändert.

Entscheidend ist für ihn, dass das Mikrofon weiterhin zuverlässig funktioniert und gut klingt.

Das M49 ist damit nicht nur ein Stück Studiogeschichte, sondern ein Werkzeug, das ihn über viele Jahre begleitet hat.

Mikrofonierung statt Equipment-Hype: Was junge Engineers von Moses Schneider lernen können

Im Gespräch wird deutlich, dass Moses Schneider den Stellenwert von Mikrofonen keineswegs überschätzt.

Seine Arbeit beginnt nicht mit der Frage, welches Mikrofon an welcher Schallquelle stehen soll, sondern mit den Menschen und ihrer Musik.

Häufig besucht er Bands zunächst im Proberaum. Während dort gemeinsam an den Songs gearbeitet wird, entwickelt sich in seinem Kopf allmählich eine Vorstellung davon, wie die spätere Produktion klingen soll.

Erst danach folgen Überlegungen zum passenden Studio und zum benötigten Equipment.

Auch seine Empfehlung an junge Recording Engineers ist entsprechend unkompliziert: möglichst viel ausprobieren.

Jedes vorhandene Mikrofon und jeder verfügbare Preamp bieten zunächst einmal Möglichkeiten. Durch praktische Erfahrungen lässt sich herausfinden, welche Werkzeuge und Arbeitsweisen zum eigenen Klangideal passen.

Die Mikrofonierungstechniken von Moses Schneider sind ein gutes Beispiel für diese Philosophie. Nicht unbedingt das teuerste Mikrofon führt zum besten Ergebnis, sondern häufig eine ungewöhnliche Idee und die Bereitschaft, vertraute Arbeitsweisen zu hinterfragen.

Jetzt ansehen und anhören: Moses Schneider im Sound&Recording-Podcast

Im vollständigen Interview sprechen wir über legendäre Studiomikrofone, die Entstehung ungewöhnlicher Drum-Mikrofonierungen und Moses Schneiders persönliche Erfahrungen aus mehreren Jahrzehnten Studioarbeit.

Außerdem geht es um seine Rolle in der Recording-Szene, den Einfluss seines Buches über Live-Aufnahmen im Proberaum und die Frage, wie wichtig