Muss ich wirklich ständig posten?
„Ich müsste eigentlich mehr posten.“
Diesen Gedanken kennen viele Producer, Mixing- und Mastering-Engineers oder Betreiber eines Tonstudios. Zwischen Recording-Sessions, Kundenprojekten und dem Studio-Alltag bleibt häufig kaum Zeit für Social Media. Gleichzeitig entsteht schnell das Gefühl, auf jeder Plattform präsent sein zu müssen, um neue Kunden zu gewinnen.
Doch genau hier beginnt oft das Problem: Selbstvermarktung wird zum Stressfaktor.
Dabei geht es gar nicht darum, möglichst viel Content zu produzieren. Viel wichtiger ist es, die richtige Strategie für die eigene Zielgruppe zu entwickeln.
Nicht jeder braucht jeden Kanal
Eine der wichtigsten Erkenntnisse lautet: Es gibt nicht den einen perfekten Kanal.
Wer Hip-Hop-Beats produziert und junge Artists erreichen möchte, wird wahrscheinlich andere Plattformen nutzen als ein Studio, das Podcast-Produktionen für Unternehmen anbietet oder sich auf Chöre spezialisiert hat.
Deshalb sollte die erste Frage nicht lauten:
„Was soll ich posten?“
Sondern:
„Wen möchte ich überhaupt erreichen?“
Aus dieser Antwort ergeben sich fast automatisch:
- die passenden Plattformen
- geeignete Content-Formate
- die richtige Ansprache
- und letztlich auch die eigene Positionierung.
Reichweite ist nicht das eigentliche Ziel
Viele verbinden Selbstvermarktung automatisch mit möglichst vielen Followern.
Dabei ist Reichweite häufig nur Mittel zum Zweck.
Die viel wichtigere Frage lautet:
Was soll meine Selbstvermarktung überhaupt erreichen?
Mögliche Ziele sind beispielsweise:
- neue Mixing- oder Mastering-Aufträge
- Recording-Kunden
- eine Community aufbauen
- Workshops oder Webinare verkaufen
- Kooperationen gewinnen
- als Experte wahrgenommen werden.
Je nach Ziel verändert sich auch die passende Strategie.
Authentischer Content schlägt Perfektion
Immer mehr erfolgreiche Accounts zeigen, dass perfekt produzierte Videos nicht automatisch erfolgreicher sind.
Oft funktionieren authentische Einblicke aus dem Studioalltag deutlich besser.
Ein gutes Beispiel ist das eigene Sounddesign-Projekt the pilot luna. Mit einem sehr einfachen, wiederkehrenden Format – Game-Boy-Sounds durch Effektgeräte zu schicken – entstand innerhalb eines Jahres eine Community von über 10.000 Followern.
Der entscheidende Punkt war dabei nicht die perfekte Produktion, sondern ein klar wiedererkennbares Konzept.
Content muss zum Studio-Alltag passen
Viele scheitern nicht an fehlenden Ideen, sondern am Zeitmanagement.
Deshalb lohnt es sich, Content nicht täglich neu zu produzieren, sondern im Alltag zu sammeln.
Ein möglicher Workflow:
Während Recording-Sessions oder Produktionen entstehen Fotos, kurze Videos, Screenshots oder kleine Geschichten. Diese Inhalte werden zunächst gesammelt.
An einem festen Content-Tag werden sie anschließend bearbeitet, geplant und für mehrere Wochen vorbereitet.
So entsteht ein nachhaltiger Workflow, der sich mit Kundenprojekten und Studioalltag vereinbaren lässt.
KI spart Zeit – ersetzt aber keine Persönlichkeit
Künstliche Intelligenz gehört inzwischen für viele Content-Creator zum Alltag.
Tools wie ChatGPT helfen beispielsweise beim Schreiben von Social-Media-Posts oder Newslettern.
Programme wie Opus Pro erstellen automatisch kurze Video-Clips aus langen Podcasts oder Interviews.
Planungstools wie Metricool übernehmen anschließend die Veröffentlichung.
Dadurch reduziert sich der Zeitaufwand erheblich.
Die wichtigste Aufgabe bleibt jedoch beim Menschen: Inhalte, Persönlichkeit und Haltung.
KI beschleunigt Prozesse – sie ersetzt keine Authentizität.
Selbstvermarktung findet nicht nur auf Social Media statt
Auch wenn Instagram, TikTok oder LinkedIn wichtige Kanäle sind, endet Selbstvermarktung dort längst nicht.
Je nach Zielgruppe können auch folgende Wege sinnvoll sein:
- lokale Netzwerke
- Kooperationen
- Workshops
- Podcasts
- Events
- Printanzeigen
- regionale Magazine
- persönliche Empfehlungen.
Gerade in der Audiobranche entstehen viele Projekte nach wie vor über Vertrauen und persönliche Kontakte.
Praxis statt Marketing-Bla-Bla
Genau diese Themen stehen im Mittelpunkt des Webinars „Erfolgreiche Selbstvermarktung für Producer & Audio Engineers“.
Publisher und Studiosofa-Host Marc Bohn zeigt praxisnah, wie Producer, Engineers und Tonstudios eine nachhaltige Selbstvermarktung entwickeln können – ohne ständig neuen Content produzieren zu müssen.
Mit dabei ist außerdem Andreas Mayer von den Audiobloom Studios. Er berichtet aus der Praxis, wie Content, Community und Kundengewinnung im Studioalltag funktionieren und welche Erfahrungen er dabei gemacht hat.
Neben konkreten Strategien erwarten die Teilnehmer auch kleine Workshop-Einheiten, in denen sie direkt an ihrer eigenen Positionierung und Content-Strategie arbeiten können.
Fazit
Erfolgreiche Selbstvermarktung bedeutet nicht, jeden Trend mitzumachen oder täglich neue Inhalte zu veröffentlichen.
Sie beginnt mit einer klaren Zielgruppe, einer authentischen Positionierung und einem Workflow, der langfristig zum eigenen Studio-Alltag passt.
Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst viele Menschen zu erreichen – sondern die richtigen.

Erfolgreiche Selbstvermarktung für Producer & Audio Engineers 