Wie entsteht heute ein moderner Alternative-Rock-Song? Welche Schritte liegen zwischen der ersten Songidee und dem fertigen Release? Und wie viel lässt sich als Independent-Band tatsächlich selbst umsetzen?
In der neuen Folge des Studiosofa Podcasts sind Dunja & Marc Buhr von LYNNE zu Gast. Gemeinsam sprechen wir über ihren kompletten Produktionsprozess – vom ersten Demo über Songwriting, Arrangement, Recording und Mixing bis hin zur Veröffentlichung ihrer Musik.
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Die Geschichte von LYNNE begann ursprünglich als Bedroom-Pop-Projekt von Sängerin Dunja Buhr. Mit der Zeit entwickelte sich daraus jedoch eine Alternative-Rock-Band mit einem deutlich organischeren Sound und dem Wunsch, die Songs auch live auf die Bühne zu bringen. Heute produzieren Dunja und Marc ihre Musik nahezu vollständig selbst. In ihrem eigenen Studio entstehen nicht nur die Songs, sondern auch die Recordings, Mixe und viele kreative Entscheidungen, die den Sound von LYNNE prägen.
Besonders praxisnah wird die Folge anhand von zwei Songs. Gemeinsam analysieren wir „Every Summer“ und zeigen, wie sich der Song während des Songwritings entwickelt hat. So war der heutige Verse ursprünglich als Chorus gedacht – ein spannender Einblick in die kreative Arbeit an Songstruktur und Arrangement.
Außerdem gibt es eine exklusive Hörprobe der neuen Single „UTOPIA“, die erst einen Tag nach Veröffentlichung des Podcasts erscheint. Dunja und Marc sprechen über die Entstehung des Songs, ihren Producing-Workflow und die kreativen Entscheidungen hinter der Produktion.
Darüber hinaus geht es um den Einsatz von Ableton Live, den Aufbau eines eigenen Studios, DIY-Recording, Mixing und Mastering sowie die Herausforderungen der Selbstvermarktung als Independent-Band. Auch Marcs Arbeit als Produzent und Songwriter sowie die Rolle von Künstlicher Intelligenz im modernen Produktionsalltag sind Teil des Gesprächs.
Die Folge richtet sich an Produzenten, Songwriter, Musiker und Homerecording-Enthusiasten, die einen authentischen Einblick in den Workflow einer modernen Alternative-Rock-Produktion erhalten möchten.
Alternative Rock produzieren: So entstehen die Songs von LYNNE – vom Demo bis zum Release
Wie entsteht heute ein moderner Alternative-Rock-Song? Reicht ein Homestudio aus, um professionelle Produktionen zu veröffentlichen? Und wie verändert sich ein Song vom ersten Sprachmemo bis zum fertigen Release? Im Studiosofa Podcast geben Dunja und Marc Buhr von LYNNE einen seltenen Einblick in ihren kompletten Workflow – vom Songwriting über Recording und Mixing bis hin zu Mastering, Live-Setup und Selbstvermarktung. Dabei wird schnell klar: Hinter jeder Veröffentlichung steckt weit mehr als nur eine gute Songidee.
Vom Bedroom Pop zur Alternative-Rock-Band
Die Geschichte von LYNNE begann während der Corona-Pandemie. Ursprünglich war das Projekt als Bedroom-Pop-Soloprojekt von Sängerin Dunja gedacht. Die damaligen Produktionsbedingungen, ein kleines Homestudio und die musikalischen Trends jener Zeit führten zu einem eher reduzierten Sound.
Mit der Zeit merkten Dunja und Marc jedoch, dass dieser Stil nicht mehr zu ihnen passte. Ihre musikalischen Wurzeln liegen deutlich stärker im Alternative Rock. Bands wie Nothing But Thieves, Foo Fighters, Paramore, Kings of Leonoder The Killers prägten ihren Musikgeschmack schon lange vor ihrer gemeinsamen Arbeit.
Vor allem live fehlte den Songs die Energie, die sie selbst auf der Bühne erleben wollten. Aus dem Soloprojekt entwickelte sich deshalb 2024 eine Band mit einem deutlich organischeren Sound. Gleichzeitig begannen sie, ältere Songs komplett neu zu arrangieren und im Alternative-Rock-Gewand neu aufzunehmen. Statt synthetischer Produktionen stehen heute Gitarren, echte Drums und eine dynamische Live-Performance im Mittelpunkt.
Songwriting: Erst Emotion, dann Technik
Besonders spannend ist der Songwriting-Prozess der beiden. Während viele Produktionen direkt in der DAW entstehen, beginnt bei LYNNE fast alles mit einer Idee. Oft bringt Dunja bereits komplette Songskizzen mit – inklusive Melodie, Lyrics und Hookline. Marc übernimmt anschließend die Rolle des Produzenten und ersten Kritikers. Dieses ehrliche Feedback war anfangs nicht immer einfach, entwickelte sich jedoch zu einem der wichtigsten Bestandteile ihres Workflows.
In anderen Fällen entsteht zunächst ein Instrumental. Marc produziert Gitarren, Drums und Bass, schickt die Skizze an Dunja und sie entwickelt darauf eine Topline. Beide Arbeitsweisen existieren parallel und führen immer wieder zu unterschiedlichen Ergebnissen. Bemerkenswert ist dabei die Offenheit, Ideen auch komplett umzubauen. Ein gutes Beispiel liefert der Song Every Summer.
Warum aus dem Chorus plötzlich der Verse wurde
Im Podcast spielen Dunja und Marc eine frühe Sprachmemo von Every Summer ab. Dort wird deutlich, wie stark sich Songs im Laufe ihrer Entwicklung verändern können. Ursprünglich sollte die heute bekannte Chorus-Melodie als Verse dienen. Der eigentliche Chorus befand sich an einer völlig anderen Stelle. Erst im gemeinsamen Feedback entstand die Idee, beide Parts zu tauschen. Aus Produzentensicht war sofort klar, dass die eingängige „Every Summer“-Melodie das stärkste Element des Songs ist und deshalb als Refrain funktionieren musste. Solche Entscheidungen zeigen, dass gutes Songwriting oft weniger mit komplizierter Harmonielehre als mit emotionaler Wirkung zu tun hat. Statt theoretischen Regeln folgen Dunja und Marc konsequent ihrem Bauchgefühl.
Arrangement: Songs müssen atmen
Ein weiterer Aspekt, der im Podcast mehrfach zur Sprache kommt, ist das Arrangement. Viele moderne Produktionen laufen nahezu ohne Unterbrechung durch. LYNNE verfolgt bewusst einen anderen Ansatz. Dynamik, Pausen und Spannungsbögen spielen eine zentrale Rolle. Der Grund dafür ist einfach: Die Songs sollen vor allem live funktionieren. Kurze Breaks, ruhige Momente oder bewusst reduzierte Passagen geben dem Publikum Zeit zum Durchatmen, bevor der nächste Chorus mit voller Energie einsetzt. Gleichzeitig entstehen dadurch deutlich stärkere Kontraste, die den Songs mehr Größe verleihen.
Auch melodisch verfolgen beide einen klaren Ansatz: Ein Chorus muss sich emotional vom Verse abheben. Häufig wird dies durch höhere Gesangslinien erreicht – nicht weil eine musiktheoretische Regel es verlangt, sondern weil sich der Song dadurch natürlicher steigert.
Recording im eigenen Studio
Ein wichtiger Schritt für die Band war der Bau eines eigenen Studios im Keller ihres Hauses. Innerhalb weniger Wochen entstand dort ein kompletter Aufnahme- und Proberaum, in dem heute nahezu alle Produktionen entstehen. Das Studio dient gleichzeitig als kreativer Rückzugsort, Recording-Location und Proberaum. Gerade diese Kombination ermöglicht es, Ideen sofort festzuhalten und Produktionen ohne Zeitdruck weiterzuentwickeln.
Echte Drums statt Samples
Obwohl zahlreiche hochwertige Drum-Libraries zur Verfügung stehen, setzt Marc möglichst oft auf echte Schlagzeugaufnahmen. Dafür hat er sich sogar selbst das Schlagzeugspielen beigebracht. Nicht mit dem Ziel, ein perfekter Drummer zu werden, sondern weil sich dadurch Arrangements wesentlich intuitiver entwickeln lassen. Die Demo-Drums entstehen häufig bereits am akustischen Set und werden später vom Band-Schlagzeuger oder Gastmusikern neu eingespielt. Für sehr schnelle Produktionen oder nächtliche Songideen kommen dennoch virtuelle Instrumente wie GetGood Drums Modern & Massive zum Einsatz.
Gitarren: Röhrenverstärker statt Modeling
Auch bei den Gitarren bleibt der Workflow bewusst klassisch.
Die meisten Gitarren entstehen über einen Fender Hot Rod in Kombination mit einer Universal Audio OX Box. Ergänzt wird das Setup durch einen Victory V40 sowie ein J. Rockett Audio Caliber 45 Pedal. Besonders interessant: Für zusätzliche Aggressivität landet nach der Aufnahme häufig noch eine ProCo RAT als Plugin hinter dem bereits aufgenommenen Gitarrensignal – ein eher ungewöhnlicher Ansatz, der den Produktionen zusätzliche Charakteristik verleiht.
Vocal-Recording: Weniger Equipment als Performance
Gesungen wird über ein Microtech Gefell M930, das über einen selbst aufgebauten Sound Skulptor 1073 Preamp und einen Sound Skulptor Opto Compressor aufgenommen wird. Entscheidend ist für die Band jedoch weniger das Equipment als die Performance. Die finalen Vocals entstehen häufig über mehrere Tage verteilt. Statt möglichst schnell fertig zu werden, warten beide bewusst auf den Moment, an dem Stimme und Emotion perfekt zusammenpassen.
Mixing und Mastering komplett selbst
Auch Mixing und Mastering bleiben vollständig in eigener Hand. Dabei verfolgt Marc einen pragmatischen Ansatz: Moderne Produktionen entstehen bereits während des Songwritings mit einem sehr hohen Qualitätsniveau. Das spätere Mixing dient vor allem der Verfeinerung. Besonders anspruchsvoll seien dabei echte Schlagzeugaufnahmen. Während Sample-Libraries bereits fertig bearbeitet klingen, müsse ein akustisches Drumset zunächst komplett geformt werden. Statt sich ausschließlich an Referenzproduktionen zu orientieren, vertraut Marc immer stärker seinem eigenen Gefühl. Ein Mix gilt dann als fertig, wenn er sich richtig anfühlt – nicht, wenn er exakt wie eine andere Produktion klingt.
Live mit Ableton
Auch live setzt LYNNE auf einen modernen Workflow. Eine Ableton Live Show übernimmt nicht nur Playback-Spuren und Bass, sondern steuert gleichzeitig Licht, Effekte und MIDI-Kommandos. Dadurch können sich die Musiker vollständig auf ihre Performance konzentrieren. Für die Band ist das kein Widerspruch zu authentischer Live-Musik, sondern eine sinnvolle Möglichkeit, den Sound der Studioproduktion möglichst originalgetreu auf die Bühne zu bringen.
Fazit
Die Arbeitsweise von LYNNE zeigt eindrucksvoll, wie weit sich moderne Independent-Produktionen entwickelt haben. Vom ersten Sprachmemo über Songwriting, Recording, Mixing und Mastering bis hin zum Live-Setup entsteht nahezu alles in Eigenregie. Dabei geht es den beiden weniger um technische Perfektion als um Emotion. Songs werden so lange verändert, bis sie sich richtig anfühlen – selbst wenn dafür ein Chorus plötzlich zum Verse wird oder eine komplette Produktion neu entsteht.
Wer sich für modernen Alternative Rock, DIY-Producing oder effiziente Homestudio-Workflows interessiert, erhält in dieser Studiosofa-Episode zahlreiche praxisnahe Einblicke und konkrete Tipps direkt aus dem Produktionsalltag einer Independent-Band.
Den kompletten Podcast mit Dunja und Marc Buhr von LYNNE findet ihr jetzt im Studiosofa Podcast auf YouTube, Spotify, Apple Podcasts und allen weiteren Podcast-Plattformen.

