In dieser Studiosofa-Episode tauchen wir gemeinsam mit Audio Engineer Clemens Matznick tief in die Frage ein, wie man Mixing-Know-how, neue Tools und frische Routinen so in den eigenen Workflow integriert, dass sie langfristig wirken. Während viele Producer*innen sich regelmäßig mit neuem Gear eindecken oder Tutorials konsumieren, bleibt oft offen, wie man das Gelernte tatsächlich umsetzt und im Alltag verankert. Genau an diesem Punkt setzt das Gespräch an.
Hier kannst du den Podcast abonnieren:
Spotify Apple Podcasts YouTube RSS Feed Amazon Music
Vom Recording zum Mixing: Warum sich Arbeitsweisen verschieben
Matznick beschreibt zunächst, wie sich seine Arbeit in den letzten Jahren verändert hat. Das klassische Recording ist für ihn seltener geworden – nicht, weil das Handwerk an Bedeutung verliert, sondern weil viele Musikerinnen und Musiker inzwischen hervorragend ausgestattete Home-Studios besitzen und dort täglich am eigenen Sound feilen. Dadurch verschiebt sich sein Schwerpunkt stärker in Richtung Mixing und Postproduktion, was ihm neue Möglichkeiten eröffnet, aber auch neue Anforderungen an Organisation und Weiterbildung stellt.
Effiziente Tools, die den kreativen Kern nicht behindern
Ein zentrales Element seines Jahres 2025 war die bewusste Auseinandersetzung mit Tools, die Arbeitsprozesse beschleunigen, ohne den kreativen Kern zu zerstören. Besonders prägend war für ihn DynAssist von Noiseworks, das ihn bei umfangreichen Vocal-Produktionen für eine internationale Animationsserie massiv entlastet hat. Das Tool analysiert Stimmen, glättet Dynamik und reduziert unerwünschte Artefakte, sodass Kompressoren und EQs anschließend gezielter eingesetzt werden können. Gleichzeitig betont Matznick, dass es trotz der Automatisierung entscheidend bleibt, ein eigenes Klangideal zu besitzen und jedes Tool nur als Baustein in einem größeren Gestaltungsprozess zu begreifen.
Webinare
Default-Einstellungen statt Preset-Abhängigkeit
Darüber hinaus spricht er über das Prinzip, weniger mit festen Presets zu arbeiten und stattdessen Default-Einstellungen zu definieren, die verlässlich funktionieren. So öffnet sich ein Kompressor nicht mehr in einer unbrauchbaren Werkseinstellung, sondern in einem Zustand, der zum eigenen Gain-Staging passt. Dadurch bleibt der kreative Fluss erhalten und die technische Grundlage stabil.
Weiterbildung, Austausch und die Rolle des Lehrens
Ein wichtiger Bereich seiner Weiterbildung findet auf Messen und in der Lehrtätigkeit statt. Gespräche mit Mastering Engineers wie Stefan Betke oder Zino Mikorey haben ihm noch einmal vor Augen geführt, wie entscheidend Level-Matching, bewusstes Referenzhören und das Kennen der eigenen Monitoring-Umgebung sind. Die regelmäßige Arbeit mit Studierenden wiederum konfrontiert ihn mit grundlegenden Fragen zum Einsatz von Kompressoren, zur Reihenfolge von Plugins und zur Wahl des passenden Reverbs – Themen, die in der täglichen Praxis oft unterschätzt werden.
Kreativere Klanggestaltung: Tools, die 2025 geprägt haben
Im Tool-Bereich zählten 2025 außerdem Spectre, Trackspacer, mehrere Sound-Particles-Plugins sowie Bloom, Sootheund Cassiopeia zu den spannenden Entdeckungen, die ihn besonders inspiriert haben. Sie stehen stellvertretend für den Trend, subtiler zu färben, Klang zu modellieren statt ihn zu verbiegen und Mischungen räumlicher und musikalischer zu gestalten. Dabei betont er, wie wichtig es ist, herauszufinden, welcher Sound tatsächlich zur eigenen Ästhetik passt. Wer lediglich Workflows großer Namen kopiert, verliert oft den eigenen Ansatz aus den Augen.
KI als Helfer – aber nicht als Ersatz
Natürlich spielte auch das Thema KI eine Rolle. Tools wie Forte.ai, die Sessions vorbereiten oder Spuren automatisch sortieren, empfindet Matznick als potenziell nützliche Helfer – besonders bei hohem Durchsatz. Gleichzeitig warnt er davor, den kreativen Kern an Maschinen abzugeben. Das detaillierte Arbeiten, das bewusste Entscheiden, das wiederholte Hören und Korrigieren: All das bleibt für ihn der eigentliche Wert des Mixings. KI kann dabei unterstützen, aber nicht ersetzen.
Fazit: Effizienteres Mixing entsteht aus Wissen, Erfahrung und Routine
Am Ende steht ein Gespräch, das zeigt, wie vielschichtig moderner Mixing-Workflow geworden ist. Es geht nicht nur um Plugins und Technik, sondern um Haltung, Konzentration und das Vertrauen in die eigenen Entscheidungen. Wer 2025 effizienter arbeiten möchte, profitiert von Tools – aber erst die Kombination aus Wissen, Erfahrung und bewusst gestalteten Routinen führt zu Ergebnissen, die wirklich überzeugen.

Nostalgie im Kompaktformat – Podcast – Online Access 